Die Kraft der heil(g)en Familie – von Christl

Erstlingswerk der Comiczeichnerin Sonja Schlappinger greift mutig das Thema der familiären sexuellen Grenzüberschreitungen auf

Bettina Siebert-Blaesing

Poing, den 11.Mai.2016 (BSB) – „Menschen machen ihr Angst. Vor allem Männer und Autoritäten sind ihr unheimlich. Kommen sie Christl zu nahe, verhält sie sich seltsam und fühlt sich wie ferngesteuert. Erst als sie ihre große Liebe trifft, blitzen plötzlich Erinnerungsfetzen aus ihrer katholischen Kindheit auf. Trotz starker Widerstände reist sie in ihre Vergangenheit und in die ihrer Eltern und Großeltern. Sie will herausfinden, woher das sabotierende Wesen in ihr stammt. Schritt für Schritt schält sie sich aus ihrem inneren Gefängnis und bringt Licht ins tiefste Dunkel – denn Christl will nicht nur überleben, sondern leben.“, so lautet der Einleitungstext der Comiczeichnerin Sonja Schlappinger in ihrem aktuell erschienen Werk „Die Kraft der heil(g)en Familie“.

Wie kann es gelingen, das Thema der sexuellen Grenzüberschreitungen im familiären Kontext besprechbar zu machen? Dort, wo die Gefahr der Verletzung der kindlichen Seele und der persönlichen Identität besonders hoch ist, Familienmitglieder und Menschen im Umfeld des Kindes zur Welt fest hinzu gehören ist, deren Handlungen und Verhaltensweisen Normen prägen? Was ist „richtig“, was ist „falsch“, was ist „angenehm“, wo fängt „unangenehm“ an.  Betroffene von sexuellen Grenzüberschreitungen kennen das Problem, dass ihre Wahrnehmung oft nicht gehört werden will, tabuisiert wird. Also schweigen sie oftmals unter dem Label der „Geduld“ über das, was ihnen in Erinnerung geblieben ist und blockieren sich und ihr familiäres Herkunftssystem so in der Entwicklung heilender Lebensenergien.

Schlappinger erzählt die Geschichte durch die Augen der kleinen Christl: So gelingt es ihr, fragend, pointiert, scharf und durchaus humorvoll eine Herkunftsgeschichte im Milieu des strenggläubig katholischen Altöttings der 70er Jahre zu zeichnen und in ihrem 80seitigen Erstlingscomic Tabus und Grenzüberschreitungen bildhaft zu machen. Hierbei spannt sie den Bogen von einer statusgeladenen und starren familiären Herkunft hin zu einem Befreiungsweg der jugendlichen Christl auf der Suche nach einer eigenen gesunden Identität als junge Frau.

„Die Kraft der heil(g)en Familie – von Christl“ sollte in jeder Praxis vorhanden sein, in der Fragen der sexuellen Selbstbestimmung von Kindern und Jugendlichen beraten und begleitet werden. Von daher empfehle ich diesen Comic gerade Pädagogen/innen, Psychologen/innen, Lehrkräften, Seelsorger/innen, Therapeuten, Mediatoren, Supervisoren und Coaches.

Erschienen ist das Buch für 29,- Euro als Hardcover mit Text & Illustration durch Sonja C. Schlappinger und einem Vorwort der Comiczeichnerin Barbara Yelin am 26. Mai 2016 im Verlag edition promenade (www.edition-promenade.com).

Selbstbeschreibung der Autorin:

Sonja Christine Schlappinger, 1970 im katholischen Landkreis Altötting geboren und aufgewachsen, liebte Mathe und Sherlock Holmes und studierte deswegen Informatik zum Knobeln. Sie arbeitete als Software-Ingenieurin in einer renommierten IT-Beratungsfirma. Aus Langeweile gründete sie nebenbei mit ihrer semiprofessionellen Improvisationstheatergruppe das Unternehmenstheater Vitamin T und kam so zum Unterrichten und Coachen. Seit 2004 ist sie selbständig als Mediatorin, Coach, Projekt- und Seminarleiterin vor allem in der IT-Branche unterwegs. Schon als Kind wollte sie Comics zeichnen, deswegen studierte sie parallel Bildende Kunst in Nürnberg. Sie bildet sich ständig weiter, seit 2014 in Kunst- und Traumatherapie.-Dies ist ihr Erstlingswerk.

Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage von Sonja Schlappinger unter www.konflikte-leben.de

Rezension wurde verfasst von:

Bettina Siebert-Blaesing; Dipl.-Sozialpädagogin, Journalistin (FJS); Systemische Beraterin/Therapeutin (SG), Supervisorin (SG/ DGSv) & Coach (DGSv); www.siebert-blaesing.de sowie www.mit-geduld.de

 

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